Liebe Gemeinde,

ich besuche eine ältere Dame zum 90. Geburtstag. Sie führt mich ins Wohnzimmer und bietet mir eine Tasse Kaffee an. Dann kommt es zu einem Gespräch, in dem sie mir erzählt, dass sie ihren Mann im Krieg verloren hat. „Nun kommen die grauen Tage“, so erzählt das Geburtstagskind weiter. Und  sie meint die grauen Novembertage. Und dennoch kündigt sich in diesem November schon das Neue an.
„Ja“, erwidere ich, die Zeit scheint im Alter schneller zu vergehen. Bald haben wir wieder den 1. Advent, und in der Gemeinde wird unser neuer Kirchengemeinderat gewählt. Und schon sind wir wieder in der Vorweihnachtszeit.“
   „Es geht alles so schnell vorbei und es hat sich so vieles gegenüber früher verändert“, erzählt mir die neunzigjährige Dame weiter.  

Ich kann ihr nur zustimmen. Wir alle nehmen die ungeheuren Veränderungen im Leben wahr. Ja, früher war irgendwie alles gemütlicher und die Menschen waren nicht immer nur mit ihren Handys beschäftigt, so klagen viele Menschen. Aber die Digitalisierung ist nicht mehr wegzudenken. Die Kommunikation hat sich völlig verändert. Zur Informationssuche und Meinungsbildung werden Smartphones und damit Websites intensiv genutzt. Und auch viele Weihnachtseinkäufe finden heute als „online-shopping“ statt. Unser Leben hat sich durch den digitalen Wandel verändert, und diese Veränderungen werden sich nicht rückgängig machen lassen.

Und dennoch liegt es an uns, das Handy auszuschalten, ein Orgelkonzert zu besuchen, einen Kirchbesuch oder einen Spaziergang zu unternehmen und dabei das Handy einfach Zuhause zu lassen.

Jesus ist als Mensch nicht digital, sondern analog auf diese Welt gekommen. So können und dürfen auch wir uns analog begegnen. Gemeinsam essen, singen und uns unterhalten. Danach sehnen sich nicht nur neunzigjährige Menschen.

Ihr
Pastor Wolfgang Hohensee